Sonntagssatz #1: … Individualität

.. und die Angst vor dem Anderssein.

Warum Individualität zwar hoch geschätzt – die eigene Andersartigkeit aber vehement abgelehnt wird.

Und warum Individualität eigentlich gar nicht mal das Gleiche ist wie „anders“.

Ein kurzer Gedankenabriss.

jenny

Gibt man „Individualität“ in seinen Browser ein, ploppen bereits nach wenigen Millisekunden mehrere tausend Seiten, Definitionen und Querverweise auf. Individualität, Identität, Einzigartigkeit, Bildung, Improtheater – all das fand ich bereits ganz zu Anfang. Laut Google bedeutet Individualität übrigens“… die Gesamtheit aller Merkmale, welche den einzelnen Menschen von allen anderen Menschen unterscheidet“.

„Anderssein“ fand in diesem Umfang hingegen keinen einzigen Treffer. Lediglich im Duden fand sich „Andersartigkeit als „von der Norm abweichend“. Die dritte Seite war eine Selbsthilfegruppe für Autisten.

Nun, das fand ich dann doch ziemlich interessant. Denn Individualität gilt als Synonym für Einzigartigkeit – und wer einzigartig ist, ist doch auch anders. Oder etwa nicht?

Manchmal habe ich das Gefühl wir leben in einer Gesellschaft, in der die Ausreifung der eigenen Individualität nicht mehr nur eine bloße Möglichkeit darstellt, sondern als ultimativer Königsweg gilt. Tausende (übrigens sehr gleiche) Ratgeber geben 100 % wirksame Expertentipps, die einen zu einer herausragenden Individualität verhelfen – die dann – logisch – doch irgendwie recht gleich ist.

Man strebt also im Prinzip nach dem, was viele tausende besonders hippe Menschen einem tagtäglich  vorleben – und wundert sich dann, dass man sich immer mehr ähnelt. Man trinkt den gleichen Tee, man isst die gleichen Bowlen, man macht den gleichen Sport, man trägt die gleichen Klamotten, wenn man zu Gast bei Freundin ist fühlt man sich sofort wie  Zuhause (weil es auch so aussieht) und natürlich liest man auch die gleichen Bücher.

Und das nennt man dann Individualität. 

Was mir ja prinzipiell völlig egal ist.

Womit ich allerdings schon ein Problem habe: Dass Andersartigkeit dann aber  von einer breiten Masse sehr stringent abgelehnt wird! 

Also versteht mich richtig: Wenn Individualität Einzigartigkeit bedeutet, und dies – wie schon erwähnt – schlicht ANDERS ist, wieso ist dann alles, was wirklich „anders“ ist, komisch (und nicht individuell?)?

Ich zum Beispiel habe viele großartige Menschen in meinem Leben, bei denen die Kategorisierung „individuell“ furchtbar unpassend wäre – dabei sind sie viel einzigartiger als die meisten.

Ja, manchmal finde ich es wirklich schockierend, dass einem nicht nur in jeder Facette unseres öffentlichen Lebens vorgegeben wird, WAS Individualität eigentlich bedeutet- sondern damit auch festgelegt wird, was es eben NICHT bedeutet.

So habe ich immer mehr das Gefühl, dass mit dieser ‚Super-Individuality“ vor allem eines generiert wird: Der ständige Druck – das ständige Bestreben – herausragend Einzigartig zu sein. Und entschuldigt – aber ich kann mir bei Leibe nicht vorstellen, dass das auf Dauer glücklich macht. Zumindest nicht jeden von uns.

Sicherlich mag das für einige Wenige passen – für viele Andere aber auch nicht. Umso wichtiger ist es doch, diesem immer weiter voranschreitenden Trend entgegenzuwirken! Nämlich dahingehend, Andersartigkeit und Individualität nicht mehr als Gegensätze – sondern als Ergänzung zu betrachten.

Sich selbst und andere nicht mehr dafür abzulehnen, was sie vermeintlich von anderen unterscheidet. 

Sondern sie als das zu betrachten, was sie sind: Einzigartige Individuen.

Denn würde man beginnen, vor allem seine eigenen Ideale und Interessen zu vertreten, sich in allen Eigenarten und ‚Andersartigkeiten‘ anzunehmen, wäre der Drang, mehr zu sein „wie viele andere“ womöglich ein wenig geringer.

Und man selbst ein weniger glücklicher. 

Denn den eignen Wert, die Andersartigkeit und die Individualität jedes Einzelnen kann niemals nie ein Fremder festlegen. Nein – das macht man schon ganz alleine.

Und warum Selbstkritik, wenn es auch mit Liebe geht? 

Denn ich bin mir sicher: Irgendwo gibt es immer einen  Menschen, der einen für genau jene Besonderheit ganz besonders schätzt.

Kurzum:

Anders ist vielleicht (noch nicht) Individuell.

Aber: Anders = besonders.

und überhaupt: Was ist eigentlich anders?

 

In diesem Sinne:

Frauheute.

Aus Liebe zum Leben.

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