Tschüss liebes Studentenleben…

du wirst mir (fast) sehr fehlen.

 

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Denn sind wir mal ehrlich: Ich habe einen Bachelor of Science. Das ist zugegebenermaßen nicht SO viel, denn einen Bachelor als akademischen Grad aufzuweisen ist ein bisschen wie die halbe Wurstsemmel am Abend, ein Rosenstrauß mit nur zwei Rosen oder Frischkäse mit 0,5 % Fett. Irgendwas fehlt da.

Ungeachtet dieser Tatsache habe ich mich dennoch dazu entschieden, meine studentische Laufbahn vorerst auf Eis zu legen. 

 

Das hat natürlich die unterschiedlichsten Gründe.

Zum einen wäre da der zeitliche Aspekt.

  • ein neuer Studiengang bedeutet auch: viele neue Pflichtveranstaltungen. Ich konnte mein Studium aber nur deshalb so gut beenden, weil ich alle Pflichtseminare bereits vor der Geburt der Mini abgeschlossen hatte.
  • außerdem möchte ich – auch mit meinem Halb-Abschluss – erstmal den Arbeitsmarkt kennenlernen und damit zu unserem gemeinsamen Familienbudget beitragen. Campen in der fränkischen Schweiz ist zwar ganz schön, aber ein bisschen Meer hat ja auch noch niemandem geschadet, nä?
  • und um ehrlich zu sein – ich brauch mal ne Pause. Also eine kurze Pause. Denn dass ich meinen Master noch oben drauf setzen werde, steht außer Frage. Aber die letzten Monate waren, gelinde gesagt, ein wenig aufreibend.

Und da kommen wir auch schon zu meiner aktuellen „haste nicht gesehen, da war ich mal Studentenmuddi“ Checkliste.

Liebes Studium, du hartes Ding du, das hab ich an dir wirklich sehr gemocht:

  1. die viele freie Zeit während der Semesterferien. Mei, was haben wir an Seen abgehangen, in Parks rumgelungert und Spielplätze unsicher gemacht.
  2. die intellektuellen Anforderungen: Mudditum und Bildung haben zusammen das ergeben, was ich persönlich als perfekt bezeichnen würde. Ich war Hausfrau, Mutter UND dennoch sich (Weiter-) Bildende.
  3. das Weiterverfolgen meines Traumes mit dem ständigen Ziel vor Augen, es bald geschafft zu haben.
  4. der Austausch mit anderen nicht-Muddis, der manchmal sehr inspirierend sein kann. Man erkennt schnell dass es sich lohnt, Dinge auch einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten.
  5. das „Studentenfeeling“ , welches mich manchmal während der Mensa-Pausen ereilte. Kaffee, Kantinenessen, Unigerede und Blümchen im Haar: so ganz anders als all die Verantwortung, die mich Zuhause erwartete. Für ein paar Stunden war das wirklich schön – und ganz besonders.
  6. heimlich nach einer absolvierten Prüfung Sekt trinken – und das am hellen Nachmittag! Hiks.
  7. Die Lockerheit die man entwickelt, wenn das Kind krank, der Haushalt katastrophal und die Prüfung nahe ist: es mündete manchmal in einer Art stoischer Gelassenheit, dann wusste ich: Heute, jetzt haste bald ein Problem. 😉
  8. und schließlich: Die Urkunde in der Hand und das Wissen: Lebensliste: Check. Unbezahlbar.

Und wie so viele Dinge im Leben selbst hat alles irgendwie auch eine Kehrseite. Interessanterweise sind oft die gleichen Dinge, die vorher auf der Pro-Liste standen. Aber seht selbst…

  1. die wenige Zeit während der Prüfungsphasen. 18 Stunden Lernzeit in der Bibliothek waren gegen Ende der Prüfungsphase leider keine Seltenheit. Effektivität: -20%. Notwendigkeit: 120%. Ihr seht: ein Dilemma.
  2. der müde Muddikopf, die Stilldemenz und die Alltagssorgen lassen die Studienpflichten manchmal etwas in den Hintergrund rücken. Da konnte Bildung schnell zur mühsamen Pflicht denn zur glückseligen Freiheit werden.
  3. die ewige Selbstmotivation weiterzumachen, trotzdem es eben nicht nur ein paar Monate, sondern (im Idealfall) immerhin drei Jahre sind.
  4. das ständige Erkennen von gar nicht mal so kleinen Unterschieden, die zwischen sich selbst und den anderen Studenten bestehen. Das „nein, ich kann leider nicht mit feiern gehen, ich muss morgen früh raus“, das „ich kann mein Praktikum leider nicht im Sommer machen, da habe ich keine Kinderbetreuung“ oder der schlicht völlig unterschiedliche Erfahrungs,- Interessen und Handlungshorizont, der einen ungezwungen Umgang mit anderen Studenten gar nicht mal so einfach macht.
  5. das „Studentenfeeling“ genießen können – denn eigentlich hat man in den wenigen vorlesungsfreien Stunden keine Zeit, mit dem Kopf in der Sonne zu sitzen und philosophische Gespräche zu führen.
  6. nach einem Gläschen Sekt mit Fahne in der Krippe ankommen und sich fragen, ob die Erzieher jetzt denken man habe ein ernsthaftes Alkoholproblem: gerne verzichtbar.
  7. Die Panik die hinter der Lockerheit steckt, wenn mal wieder alles auf einmal kommt und das sicher nichts Gutes verheißt. Der ständige Drahtseilakt zwischen guter Mutter, guter Studentin, guter Hausfrau und guter Arbeiterin. Und das Gefühl: Alle haben was von mir – doch wo bleibe eigentlich ich?
  8. Die Urkunde in der Hand und die Frage: Was nun, was tun?

Ihr seht. Wirklich jede positive Seite meines Studentenlebens kann irgendwie auch relativiert werden. Alles Gute hat – in welchem Ausmaß auch immer – einen kleinen, faden Beigeschmack.

Es ist der ständige Balanceakt zwischen Geben, Tun, Machen, Sein und Annehmen, der mein Leben als Studentenmama zu etwas ganz Besonderem machte.

Es war aufregend, spannend, lustig, lehrreich, interessant, zermürbend und manchmal auch sehr überfordernd – und es hat mir vor allem eines gezeigt:

Dass mehr in mir steckt, als ich mir selbst je zugetraut hätte.

Denn mein Weg war nicht immer eben, er war nicht immer einfach und er verlief auch nicht immer auf gefestigten Pfaden. Aber es war mein – unser – Weg. 

Und er war gut, so wie er war.

Jetzt freue ich mich auf das was kommt, sehe der Zukunft positiv entgegen und verabschiede mich (vorerst) von meinem bunten, chaotischen und doch geliebten Studentenleben. Ade, bis bald! Schön wars.

 

 

In diesem Sinne

Frauheute

Aus Liebe zum Leben.

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