Sind Mütter….

wirklich so biestig, wie die Leute immer sagen?

Liebe Leser,

lange, lange ist es her: mein letzter Blogeintrag.

Ich bleibe Instagram weiterhin treu, genieße die kurzen Auszeiten, ein paar Bilder und wenige Worte. Wäre da nicht der gestrige Post gewesen! Thema: Toleranz unter Müttern. Einige so „Yay“. Die Mehrheit so „WO?“.

Kurz nachgedacht, bestätigt. Toleranz unter Müttern scheint vielmehr ein wünschenswerter Status quo denn tatsächliche Realität. Meistens jedenfalls.

Viele Kommentare bezüglich diverser Kinder-Vergleiche, Angriffe, Beleidigungen und Meckereien erreichten mich. Aber ist das denn wirklich so  – das Leben als Mutter?

Auch darüber habe ich nachgedacht – und beendete meine Gedanken mit einer Frage.

Hat dieser Vergleich, diese Missgunst, nicht vielleicht gerade deshalb so viel Raum, weil man sich selbst zu sehr unter Druck setzt – oder sich gar von der Gesellschaft unter Druck setzen lässt?

Denn immerhin müssen Kinder

  • wohl erzogen sein
  • gute Leistungen erbringen
  • umfangreiche Freizeitangebote nutzen
  • täglich mindestens zwei Stunden im Wald spielen
  • gesundes demeter-bio-bio-bio-healthy-low-fat-low-sugar Zeug essen
  • viele Freunde haben
  • einen hohen Grad an sozialer Kompetenz aufweisen
  • und ihre Schnoddernasen nicht an Mamas Rockzipfel abputzen

Kurz: Kinder MÜSSEN. Aber Kinder müssen erst mal gar nichts – außer sein. 

Und dieser Druck, der (unterbewusst) auf jeder einzelnen Mutter lastet, schlägt sich natürlich auch im eigenen Selbst nieder. Spielt nun Kind A  mit 4 Jahren fehlerfrei Beethovens 5. auf dem Klavier, malt nebenbei Picasso-like Bilder und lernt im Schlaf: Ist dann der Neid nicht schon vorprogrammiert?

Und Neid führt zu Missgunst, Missgunst zu fiesen Gedanken, fiese Gedanken zu fiesen Worten und fiese Worte zu tatataaaa: Mütterbashing. 

Dabei wäre das Problem doch eigentlich gar nicht mal so schwer zu lösen:

Kinder sind nämlich schlicht nicht vergleichbar, weil sie keine Dinge sind! Kind A spielt mit 4 fehlerfrei die 5. , Kind B kann dafür toll auf Bäume klettern. Kind C hingegen findet beides doof und isst lieber Eis. Aber weder Kind A noch Kind B ist besser als Kind C, und Kind C nicht besser als Kind A oder Kind B – weil sie einfach a-n-d-e-r-s sind. Weil sie Kinder sind. 

Ich glaube sogar, dass oft gar nicht die Mütter selbst die Urheber dieser schlechten Gedanken und Worte sind, sondern der gesellschaftliche Druck, der auf ihnen lastet. Das mag vielleicht keine Entschuldigung sein, aber vielleicht ein erster Schritt: Nämlich der, sich von gesellschaftlichen Konventionen zu distanzieren, die so gar nicht zu einem passen wollen.

Sich nicht diktieren zu lassen, was Kinder in Alter A, B oder C schon alles beherrschen sollten, da sie sonst sicherlich und ganz bestimmt zeitnah Erziehungscamp 2.0. besuchen müssen.

Und es hilft vielleicht sogar ein wenig dabei, zwischendurch mal über den eigenen Tellerrand zu gucken: Nicht die Mütter zu verfluchen, sondern sich zu fragen: WARUM. 

Hinter jedem fiesen Wort und jeder abwertenden Verurteilung steckt meistens auch ein kleiner – sehr persönlicher –  Teil dieser Mutter selbst. Und sei es, weil ihr Peter-Pierre mit 4 eben nicht virtuos die Tasten klirren lässt, sondern stattdessen Nachts immer noch ne Windel braucht.

Und die Mutter fühlt sich vielleicht gerade deshalb schlecht, weil alle anderen immer sagen: mit 4 Jahren darf der Karl-Heinz aber nicht mehr in die Hose machen #rabenmutter! „Ich hab das in der Muddi-Heute gelesen, und mein Kinderarzt sagt das auch! Und die Frau von RTL 8 auch. Irgendwas musst du falsch gemacht haben, Ingegred! Ganz bestimmt.“

Mutterbashing hat deshalb so viel Raum, weil wir vermeintlichen Konventionen zu große Bedeutung beimessen. 

Aber: wäre nicht der erste (logische) Schritt, den elenden Vergleich in die Besenkammer zu sperren und Dieter-Detlef so zu nehmen, wie er ist? Ob mit Windeln am Po, Nachmittags am Klavier, Morgens auf dem Baum und Mittags in der Eisdiele?  Das „sollte“ gegen ein „sein“ einzutauschen, Müttern den Druck der ewig perfekten Hausfrau, Erzieherin, Köchin, Liebhaberin und Freundin von den Schultern zu nehmen und zu sagen: „Ja, vielleicht ist das bei vielen anders, aber deshalb bist du (und dein Sören-Pascal) noch lange nicht falsch!“.

Konventionen das sein zu lassen, was sie nunmal sind: für einige hilfreich, für manche passend aber für viele schlichtweg falsch.

Das macht frei – und Freiheit macht glücklich. Glück macht positive Gedanken, positive Gedanken führen zu positiven Worten, positive Worte führen zu Unterstützung und Liebe.

Und so weit ich weiß, ist Liebe und Unterstützung das Gegenteil von Mütterbashing. 

Oder?

 

In diesem Sinne

Frauheute

Aus Liebe zum Leben.

 

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2 Gedanken zu “Sind Mütter….

  1. Liebe Frau Heute,

    ich bin zwar keine Mutter, aber Studentin und geneigte Leserin deines Blogs.
    Dein Beitrag passt nicht nur auf Mütter, sondern die gesamte Gesellschaft! Ich selbst setze mich manchmal sehr unter Druck, weil ich nicht in Regelstudienzeit abgeschlossen und keine sehr guten Noten habe. Aber muss ich das haben? Ist es nicht auch gut, mal nach links und rechts zu gucken? Das muss jeder für sich entscheiden.
    Dieses ganze Pauschalisieren und die Angstmache von Kommilitonen, anderen Frauen oder – in deinem Fall von Müttern – a la „Wenn du kein gutes Examen / nettes Kind hast, kriegst du keinen Job / bist du keine gute Mutter, ergo: bist jedenfalls nicht gut.“ stimmt einfach nicht. Wir sind okay! Und ich würde mir gerade unter Frauen mehr Unterstützung füreinander wünschen. Dann müssten wir auch nicht über sowas wie Frauenquoten sprechen.

    Ein sehr schöner Blogeintrag, der mich zum Nachdenken angeregt hat.

    Liebe Grüße!

    Alexandra

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