Junge Mütter sind…

„Junge Mütter sind überfordert“

„Junge Mütter geben ihren Babys Kakao und Fernsehen zum Frühstück“

„Junge Mütter sitzen auf dem Spielplatz auf der Bank und rauchen“

„Alle Kinder junger Mütter sind ungeplant“

„Junge Mütter können im Leben niemals Karriere machen“

„Junge Mütter wollen am Wochenende immer Party machen“

„Junge Mütter schieben ihre Kinder zu den Großmüttern ab“

„Junge Mütter rauchen in der Schwangerschaft einfach weiter“

„Junge  Mütter stillen nicht“

„Junge Mütter besuchen keine Babykurse“

„Junge Mütter haben keine Ahnung von Kindererziehung“

„Junge Mütter geben ihren Kinder nur ungesundes Essen“

„Junge Mütter fangen mit 30 an, ihr verpasstes Leben nachzuholen“

„Junge Mütter geben ihr ganze Geld für Schminke und Klamotten aus“

Besonders wichtig: „Junge Mütter können ihrem Kind gar nicht so viel mitgeben, wie das ältere Mütter können. Da fehlt es doch vorne bis hinten finanziell, die haben noch nichts vom Leben gesehen und meinen, jetzt einen auf Mutter machen zu müssen“.

…und die Liste ließe sich noch endlos weiterführen.

Vorneweg: Ja, mit einigen dieser Sätze wurde auch ich konfrontiert.

Es fing schon beim Frauenarzt an.

Dieser fragte nach einem kurzen „hmhmhmmmm.. nuschel.nuschel. Ja, ja doch schwanger! Hmmm.. Eindeutig“  direkt nach dem Verbleib des Kindesvaters. Auf meine etwas plumpe Antwort, es handele sich hier immerhin um ein Wunschkind und der Vater sei nicht kurzfristig nach Jamaica geflüchtet, erntete ich nur ein mildes Lächeln. Neun Monte später ging es im  Kreissaal auch gleich weiter: Die Mischung aus Missachtung und Argwohn der Hebammen war unübersehbar – selbst unter schlimmsten Schmerzen konnte ich dieses fiese Gefühl, das sich in mir breit machte, kaum unterdrücken. Meine damaligen Lehrer schüttelten den Kopf, sahen mein Abitur davonfliegen, der Kinderarzt versuchte mir zu erklären, was Homöopathie ist und die Fachverkäuferin eines Babyfachmarktes versuchte mir das Stillen schön zu reden.

Ich war 21. Ich war junge Mutter – aber keine Teeniemutter.

Und ich war mir dessen, was da auf uns zukommen sollte, durchaus bewusst.

Und GENAU das wollte ich.

Ich wollte Mutter werden. Und Akademikerin sein. Und ich war mir sicher: das muss sich doch vereinbaren lassen!

Rückblickend betrachtet waren die größten Schwierigkeiten die ich in der Adaption meines Mutterseins hatte nie meine eigenen Unsicherheiten, sondern immer jene, die mir von anderen zugesprochen wurden. „Du bist zu jung“ „Genieß das Leben“, „geh reisen“ „geh feiern“, „teste dich aus“ „Leb dein LEBEN“.

Und wann immer ich diese Worte hörte, hinterließ es einen kleinen Stich in meinem Herzen. Für mich schloß sich Muttertum und „Leben leben“ nicht aus, im Gegenteil, es komplettierte das Ganze. Sicherlich bin mir bewusst, dass viele dieser unbedachten Äußerungen nur gut gemeinte „Ratschläge“ waren – aber so unbedacht sie auch gewesen sein mögen – so verletzend waren sie auch. Denn wer weiß schon was am besten für einen ist, außer man selbst? 

Ich kann und möchte hier sicherlich nicht für alle jungen Mütter sprechen, aber wenn ich es auch nur für einen kleinen Teil tue, dann hat dieser Artikel etwas bewirkt. 

Junge Mütter sitzen nicht mehr oder weniger auf Parkbänken und rauchen, als ältere Mütter das tun. Sie tragen dabei vielleicht keine High Heels, sondern Turnschuhe. Aber eine signifikante Altersgrenze wäre mir hierbei nicht aufgefallen.

Die jungen Mütter die ICH kenne, geben auch nicht ihr ganze Geld für Schminke aus – sondern für Bio Essen, Fairtrade Kleidung und Kinderkurse. Sie ernähren ihre Kinder mindestens genauso bewusst, wie es ältere Mütter auch machen.

Sie gehen auch nicht jedes Wochenende feiern – und selbst wenn sie es tun, dann stehen sie am nächsten Morgen wieder auf. Sie lachen, weinen, feiern und singen genauso mit ihren Kindern, wie ältere Mütter das auch zelebrieren. Und sie lieben ihre Kinder auf genau die gleiche Art und Weise, wie andere eben auch.

Wäre nicht sogar denkbar, dass es weniger ein Alterseffekt, als vielmehr ein Lebenskonzepteffekt ist?

Dass der Lebensentwurf mancher junger Frauen einfach nicht „Disco, Party, Kippe und ein Bier“ sondern „Familienzeit, Babyschaukeln, Pekip-Kurse & Frauenfrühstück ist?“. Und für manche Menschen sind es vielleicht sogar beide Entwürfe, die für sie passen – machen sie es deshalb schlechter? Vielleicht machen sie ja einfach nur „anders“? Und was anders ist – ist ja bekanntermaßen – immer auch ein bisschen komisch. Da gucken die Leute dann gerne zweimal hin. Und wer viel guckt, findet auch viel, nä?

Das reiht sich übrigens auch in die Riege der Aussagen: “also ICH hätte das damals ja nicht gekonnt“ ein. Was hättest du nicht gekonnt? Meinst du, du hättest es zwar gekonnt, aber nicht GEWOLLT? Das ist völlig in Ordnung. Dann war dein Lebensentwurf einfach ein anderer als meiner. Aber davon abgesehen glaube ich, dass wirklich jeder seine Rolle als Mutter anfangs erstmal finden muss – und dass das altersunabhängig ist.

Ich denke, ein Kind kann man gar nicht „nicht“ schaffen. Ein Kind zu erziehen ist Liebe – und Liebe kennt keine Anleitung. Da muss man durch – mit Herz und Verstand, mit Lachen und Weinen. Manchmal macht man Fehler, manchmal ist man „supermom of the day“. Und wie man sich am Ende geschlagen hat wird einem spätestens in der Pubertät gesagt. Nachts um halb drei, nach Bier riechend am Elternbett: „Mama, ich  bin wieder da. Ich hab dich lieb“.

ABER: Ob man nun mit 55 Jahren pubertierende Kinder haben wird – oder mit 35 Jahren – ist die ganz individuelle und persönliche Entscheidung eines jeden Paares selbst. 

Und diese Entscheidung ist genauso in Ordnung wie die, jung Mutter zu werden.

Junge Mütter sind nicht weniger wertvoll, als es ältere sind. Sie sind auch nicht weniger geeignet Mutter zu sein, als es eine 40-Jährige gestandene Frau ist. Sie machen manche Dinge vielleicht einfach nur anders. Und anders ist nicht immer gleich schlecht. 

 

Stichwort Stigmatisierung: Mit den Eingangs genannten Aussagen werden Mütter U25 übrigens in sehr regelmäßigen Abständen konfrontiert. Das ist schade!

Denn würden junge Mütter ein wenig mehr Zuspruch erfahren, ein wenig mehr Zutrauen in ihre eigenen Fähigkeiten erhalten und endlich mehr Lob statt Kritik ernten, dann würden sie vor allem eines lernen: hoch erhobenen Hauptes, das Herz voller Liebe und den Kopf voller Selbstüberzeugung aus der Menge tretend sagen: „Ja. UND? Ich bin junge Mutter! Und es ist TOLL!“.

Ich glaube, Mutterqualitäten lassen sich nicht an der Anzahl der Geburtstagskerzen messen. Ja, noch nicht einmal an den Lebenserfahrungen selbst.

Dazu fällt mir ein:

Es gibt keinen Ort der Welt, an dem man sicherer geborgen wäre als in den Armen der Mutter.

Selma Ottiliana Lovisa Lagerlöf (1858 – 1940)

Und ob die Arme straff sind oder hängen – so what? 

Erziehung ist Liebe.

Und Liebe kennt keine Grenzen.

In diesem Sinne

Frauheute

Aus Liebe zum Leben.

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6 Gedanken zu “Junge Mütter sind…

  1. Da hast du wieder einmal sehr passende Worte gefunden. Ich finde es so sympathisch, wie du schreibst.
    Ich selber bin mit 32 Mama geworden. Und immer , wenn ich junge Mütter sehe, ist mein erster Gedanke „wie schön! Ich wäre sehr gern auch schon jünger Mama geworden “ aber es sollte nicht sein. Ich gebe dir recht, egal wie jung oder alt man Mama wird, es ist immer etwas neues. Und für die Kinder ist es das wichtigste, dass sie geliebt werden. Die hinterfragen das Alter (meist ) nicht.
    Es ist traurig zu lesen, dass andere Menschen dich mit ihren „Ratschlägen“ verletzt haben. Ich kenne dich ja nicht persönlich, aber was ich hier so lese bringt mich zu der Auffassung : du machst das richtig toll . Und so wie du bist, bist du gut genug .
    Liebe Grüße Mareike

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  2. Danke dafür von einer jungen Mutter herself! Obwohl ich von meinem direkten Umfeld, Ärzten sowie Hebammen glücklicherweise nie sowas komisches gehört habe, sind auch mir diese ganzen Sprüche nicht unbekannt. Elterliche Kompetenz hat nie etwas mit dem Alter zu tun, das zeigten mir schon sehr früh diverse Begegnungen, in denen ich von wesentlich älteren Erstlingseltern um Meinung oder gar Rat gefragt wurde.
    Nur weil es offensichtlich nicht mehr Gang und Gebe ist, dass man ein Kind mit Anfang zwanzig bekommt, heißt nicht, dass man unverantwortlich oder dumm ist, wenn man es tut.

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  3. Wieso gibt es in den Köpfen der Menschen immer dieses Richtig oder Falsch?
    Mit 20 ist man zu jung, mit 40 zu alt. Das ist doch echt Quatsch. Manche sind mit 20 reifer und verantwortlicher, als so mancher mit 35. Hut ab, vor dem was du leistest! ganz unabhängig von deinem Alter!

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  4. Hallo
    So toll geschrieben. War damals auch 21 Jahre als meine erste Tochter kam. Kenne das zu gut und habe vieles was du geschrieben hast selber ähnlich erlebt. Doch es hört nicht auf. Nun habe ich mit 31 Jahren unser drittes Kind bekommen da kann man sich von fremden Menschen anhören das das ja dann jetzt reichen würde.
    Liebe Grüße Desiree

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  5. Danke für deine Zeilen! Du hast so recht! Ich würde den Spieß teilweise sogar umdrehen: eine Mutter Anfang 20 kann noch mehr Kind sein als eine Mutter mit 40 und ihrem Kind deshalb auf einer ganz anderen (kindlichen) Ebene begegnen. Aber auch das kann sein, muss aber eben auch nicht. Denn wie du so schön schriebst, ist jeder Mensch für sich individuell und daher ist jede Mutter anders als dir andere und das ist auch gut so.

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