… über eigene Erwartungen, Weihnachtstrubel und Kinderlachen

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… „Stihiille Nahaacht, heiliiihige Nacht, nieeeemand schläft, alle wach“. Naja, oder so ähnlich eben. 

Wir schreiben: Weihnachtsfeiertag, Nummer 1, 2015.

Stimmung: freudig. glücklich. selig. müde. und ein bisschen gestresst.

freudig, weil das diesjährige Weihnachtsfest so unheimlich harmonisch war. Weil das Essen so lecker, die Geschenke so bedacht und die Kinder so „Kind“ waren. Laut. Bunt. Aufgedreht. Glücklich. Lachend. Heulend. Auf dem Schoß sitzend. Auf dem Boden liegend, im Zimmer bockend.

Glücklich, weil es Momente gibt, die sich  nicht wiederholen lassen. Weil es Augenblicke gibt, die einfach perfekt sind. Weil der wahre Wert von Weihnachten eben wirklich   die Familie ist.

Müde, weil alle Kinder nach 22:00 zu Bett gegangen, aber zielsicher vor 07:00 Uhr aufgestanden sind.

Gestresst von meinen eigenen Erwartungen. Von dem vielen Trubel, den fehlenden ruhigen Stunden und den überforderten Kindern.

Aber jetzt mal eins nach dem anderen.

Ich glaube ja, das Idealbild der Weihnachtsfamilie ist so fest in unseren Köpfen verankert wie „bei rot stehen, bei grün darfst du gehen“. Alle knien freudestrahlend vor dem Kamin, öffnen bedacht, in 8,51 Minuten EIN Päckchen. Gucken. Staunen. Freuen. Dann der nächste. Insgesamt: 5 Päckchen für jeden. Immer dabei: große Freude. Am Ende: nur lachende Kindergesichter, vor Freude gerötete Wangen, nicht auch nur der Anschein zeitbedingter Ermüdung ist zu sehen. Die Bratäpfel schmoren bereits im Ofen. Die Familie sitzt lachend um die gedeckte Tafel. Das Geschirr, das Besteck und die Dekoration ist farblich aufeinander abgestimmt.

HAH! Denkste. Wie gut, dass es wenigstens Astrid Lindgren gibt. Sonst hätte ich geglaubt, dass Weihnachten nur bei uns so turbulent ist.

Und es fing schon in der Kirche an. Bänke hoch, Bänke runter. Das Krippenspiel war viel zu weit hinten, die Lieder langweilig und überhaupt:“ Wo bleiben jetzt die tausend Geschenke, Mama?“. Beschwichtigende Worte meinerseits. „Schatz, Beruhigung. An Weihnachten geht es nicht um Geschenke, sondern um die Geburt Jesu. Liebes, es ist das Fest der LIEBE. „Boah Mama, man, ich will G-E-S-C-H-E-N-K-E“. Alles klar. Geschenke. Und wirklich, so unter uns: Das hat gesessen. Geschenke. Nölerei, wann die Kirche endlich vorbei ist. Nölerei, wann das „doofe Pfannenteil“ (Raclette) vorbei ist. Wann man endlich zum Baum darf. Streitereien mit der Cousine um den einzigen Hochstuhl, um die schöneren Servietten und die tolleren Schuhe.

Und dann, dann waren sie da. Die glücklichsten Kinderaugen der Welt. Die waren da, neben „Mama, lass mich mal vor! Wem gehört das größte Geschenk? MAMA! HALLO? WEM GEHÖRT DAS? Mama, ich will mehr! Gibts noch was? Mahaamaaaaaa!“.

Kurzzeitig war ich dem Nervenzusammenbruch sehr nahe. Und ich bin mir sicher: Ich war damit nicht alleine. Und es liegt auch nicht an meinem Kind – es liegt an den (idealen) Bedingungserwartungen, die wir an Weihnachten stellen.  Nämlich, dass schon die allerkleinsten (unseren) Wert von Weihnachten zu schätzen wissen. Sich über selbstgebastelte Geschenke freuen. Bescheiden sind, dankbar nicken und still auf ihrem Platz verweilen. Ja, kurzzeitig dachte ich:“ Boah Maxime. Ich nehm jetzt die Geschenke und geh die spenden!“. Echt JETZT. Halleluja.

Ja, und dann, dann hab ich so an mich gedacht. Mini-Frauheute als Kind. Und ich glaube, das war ja damals schon so.

Das größte Unglück liegt doch in den unerfüllten Erwartungen, die wir an andere stellen, oder? Die eigentlich auch nie erfüllt werden können, weil andere Menschen einen gänzlich anderen Erfahrungshorizont aufweisen als wir. Noch viel schwieriger ist es, wenn man Erwartungen an die eigenen Kinder stellt. Das ist jetzt sehr verrufen – und trotzdem tun wir es. Heimlich. Mit schlechtem Gewissen. Hinter vorgehaltener Hand.

„Kind, bettel nicht an der Supermarktkasse. Kind, freu dich gefälligst über deine Geschenke. Kind, freu dich über das Eis, das du bekommen hast. Nicht über die 10 anderen, die du nicht bekommen hast. Und über die schöne Hose, die ich dir gekauft habe (Ja Schatz, ich weiß: Barbie und Miame findest du viel toller).

Eine Freundin sagte neulich zu mir“ Kinder wissen nichts von Konventionen. Kinder sind unbeschriebene Blätter, Kinder sind wie Urzeitmenschen. Die kommen mit der Keule, gucken was geht, gucken, was nicht geht und naja.  Dann legen sie sich halt auf den Boden und schreien.

Und an solchen Tagen scheint man das manchmal zu vergessen. Nur, weil es für uns Erwachsene ein „special day“ ist, ist es das nicht automatisch für unsere Kinder.

Die sind an solchen Tagen nämlich zumeist überfordert, aufgeregt, müde und fremd-überforderungsbeladen.

An solchen Tagen sollte man einfach nicht vergessen, dass Kinder Kinder sind. Und Kinder sind viel – nur nich langweilig.

Kinder erfüllen auch nie unsere Erwartungen – und das sollen sie auch gar nicht.

Kinder sind Kinder – wild und bunt.

Auch ich muss noch lernen zu akzeptieren, dass weder Kinder noch Erwachsene dazu beauftragt sind, meine Erwartungen zu erfüllen.

Und mit dieser Einsicht konnte ich schon ein bisschen gelassener sein. Ein bisschen besser schlafen. Ein bisschen weniger motzen.

Heute.

Und morgen.

Ich konnte es,

weil unser Alltag ihre Kindheit ist.

Und weil kein Kind dazu gemacht ist, die Bedürfnisse und Erwartungen anderer Menschen zu erfüllen.

Wenn mein Kind groß ist, möchte ich dass es sagt: „Mama, du warst manchmal schon echt nervig. Aber ich durfte meinen eigenen Weg gehen. Und auf diesem Weg, da hast du mich begleitet“.

In diesem Sinne,

Frauheute

Aus Liebe zum Leben.

 

 

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Ein Gedanke zu “… über eigene Erwartungen, Weihnachtstrubel und Kinderlachen

  1. Danke für diese Worte! Ich lese deine Texte so gerne, weil sie mir meist aus der Seele sprechen.
    Und mir ist auch an diesem Weihnachten aufgefallen, dass gerade die Verwandtschaft die hohen Erwartungen an meinen Sohn hat und ich immer wieder dabei bin, sein Verhalten zu verteidigen / zu rechtfertigen.

    Gefällt mir

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