… Weihnachten ist einfach nix für schwache Nerven.

… das habe ich schon immer gewusst. Ehrlich.

Aber dieses Jahr dachte ich: Das machste ganz romantisch. Ent-stressen. Mit dem Flow gehen. Chai-Matcha-Grüntee-Hirsekleie-Cranberry-VitaminZE-Cocktail am Morgen, eat-clean Gemüse zu Mittag. Am Nachmittag gemeinschaftliches Backen, Basteln, Singen und Philosophieren.

Oh man. Ich war so naiv.

07:00 Uhr: Der erste Wecker. Gnah. dunkel.

07:20 Uhr: Der zweite Wecker. Gnah. Immernoch dunkel.

07.45 Uhr: Ach scheiße. Zu spät.

08:00 Uhr: Alle Kinder wach. Anziehen wie Speedy Gonzales.

08:04 Uhr: Frühstück. Kein Chai-Matcha-Grüntee-Hirsekleie-Cranberry-VitaminZE-Cocktail, sondern Kaffee. Mit Plätzchen. Für die Kinder Banane mit Haferflocken. Bio. Immerhin.

08:15 Uhr: Der erste Versuch, Schuhe anzuziehen.

08:20 Uhr. Gescheitert.

08:22 Uhr. Langsam nervöses Zittern in der Unterlippe. Das wird wieder nix.

08:30 Uhr. Allen Kindern selbst die Schuhe angezogen, in Anzüge gesteckt, Mützen aufgesetzt. Nur die alten gefunden. Handschuhe auf seltsame Art und Weise ebenfalls verschwunden. Immer das gleiche.

08:45 Uhr: Alle zu spät in der Kita. Muddi hat Puls. Kinder ein zufriedenes Gewinner-lächeln auf den Lippen.

09:00 Uhr: Abwägung zwischen Uni, Haushalt, Arbeit und Schreiben. Das Bett hat gewonnen.

10:00 Uhr. Schlechtes Gewissen. Schnell aufstehen. Zu spät in die Uni kommen. Bisher noch immer nichts gegessen außer Plätzchen. Dafür 5 Kaffee, drei fast-Herzattacken und eine verlorene Bankkarte. Hallo, Schönes Leben.

10:45-13:45 Uhr. Uni. Viel Schlaf auf harten Bänken, Tagträume von springenden Einhörnern, finanzieller Unabhängigkeit und dem Weltfrieden. Läuft. Gegessen: Ne trockene Breze. Getrunken: zwei Kaffee.

14:00 Uhr: Erstes Kind aus der Kita abholen. Müde, zu kurzer Mittagsschlaf. Powermodus: ON. Muddimodus: ON. Party, Party hard! Verwüstung, Krawall und Remmidemmi.

Bis um

15:00 Uhr das andere Kind geholt wird. Jetzt wirds romantisch, dachte ich noch so.

15:15 Uhr. Will zu einer Freundin spielen gehen. Großes Geheule, nein, will nicht Backen, nicht basteln, nicht singen und nicht philosophieren. Will spielen. Nur nicht mit uns.

15:29 Uhr: Bei Freundin abgeliefert. Wohnung ist still. Nur das kleine Kind quakt selig vor sich hin. Will mit ihr philosophieren. Klappt nicht. Spielen jetzt Bausteine auf Fernseh kloppen.

17:30 Uhr: alle wieder vereint. JETZT wirds romantisch. basteln, singen, musizieren? Zu spät. Gibt jetzt Brot. Mit Salat. Den esse nur ich. Kinder wollen Wienerle ohne alles. Mit Ketchup. Ausgeburt der Lebensmittelindustrie gibts hier nicht. Nicht unbedingt förderlich für die Stimmung.

18:30 Uhr: IST ENDLICH ABEND?  Noch kurz Zähne putzen. Dabei das ganze Waschbecken weiß einschmieren. Ist jetzt ne Elsas-Eislaufbahn. Ich atme kurz durch. Noch eine halbe Stunde. Halbe Stunde. Halbe Stunde.

19:00 Uhr: Habe alles beseitigt. Kind A und Kind E liegen im Bett. Muss jetzt kurz aufräumen. So bis 22:00. Habe Wienerle in den Bodenritzen gefunden. Zahnpasta im Wäscheschrank. Angegessene Kerzen im Wohnzimmer. Kurze Panik. Alles gut, wurden nur ausgepult. WO kommen die verdammt nochmal her?

20:00 Uhr: Sitze rum. Fühle mich einsam.  Wollte philosophieren, backen, singen, tanzen, basteln und musizieren. Habe geputzt. Ungesundes Zeug gegessen. Waschbecken saubergekratzt, Fußbodenritzen ausgepult und Minikind bespielt. Hat die Stifte aber nur gegessen, wollte nicht malen. Wachsstifte, kennta, oder?

 

20:21 Uhr: Bin müde. Mach morgen was für die Uni. Morgen wird es nämlich romantisch! Da backen, singen, musizieren, basteln und philosophieren wir!  Hahahahahaaaaaaaaa….

Oh du schöne Weihnachtszeit! Ich will gefälligst mehr Zeit, mehr Nerven,mehr Geduld, weniger Arbeit, mehr Sinn für Romantik und überhaupt. *heulheulheul*

Echt jetzt. Find ich anstrengend. Hab ich meiner Oma erzählt, die hat gesagt, das sei normal. Habe mich dann ein wenig beruhigt,während ich Mandalas gemalt habe. Und Johnny Cash gehört.

Im ersten Moment hab ich mich ein bisschen komisch gefühlt, aber dann gings. Ich war heute bei meiner Nagelfrau. Die mag ich sehr. Sehr sehr. Als ich reinkam, meinte sie nur: SETZ DICH! KAFFEE! RUHE! Kind, was ist dennlso mit dir? Du bist ja an der Decke! Für mich war der Zustand allerding standard. Durschnitt halt.

Und dann hat sie was sehr Weises gesagt:

„Ja, das ist Stress. Aber sehr schöner Stress. Guck doch nur, es kommt nur auf deine Einstellung an. Nimm es lockerer, nimm es nicht so ernst. Es gibt genug Dinge, die wirklich Grübeleien bedürfen. Aber das Lamentieren über deinen aktuellen Stresspegel führt nur dazu, dass du noch gestresster bist. Also mach langsam, du hast sowieso Stress. Ob mit oder ohne Herzattacke“.

Recht hat sie. Habe mir jetzt vorgenommen, mir Zeit zum Frühstücken zu nehmen. Eher aufzustehen. Aber vor allem habe ich mir vorgenommen, mir keine Gedanken mehr darüber zu machen, wenn ich die Dinge eben nicht schaffe.

Is ja auch irgendwie normal, oder?

 

In diesem Sinne

 

frauheute

Aus Liebe zum Leben.

 

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3 Gedanken zu “… Weihnachten ist einfach nix für schwache Nerven.

  1. Du bist so herrlich erfrischend!
    Ich habe keine Kinder, aber GENAU SO stelle ich mir mein Chaos mit Kindern vor!
    Es gibt schlimmeres als nicht gebügelte Wäsche, dreckiges Geschirr oder einen versäumten Chia Pudding zum Frühstück. Dein Alltag ist ihre Kindheit!

    Unbekannter weise- bleib wie du bist das ist so wunderbar real normal 🙂

    Es grüßt dich ganz lieb
    Maxi

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  2. Oh, das könnte ich sein. Mit Uni, zwei Kindern, die beide auch noch im Dezember Geburtstag haben und einem Termin nach dem anderen, laufe ich momentan eher rum, wie ein Zombie. Hinzu kommt, dass hier bei beiden im Moment nachts ein kleines Schlafproblem existiert, dass zwar in meinem Bett sofort behoben ist, aber mir gerade 10 cm Platz lässt. Somit schlafe ich kaum noch, organisiere Geburtstagstagspartys und nebenbei unser ganzes Leben und fühle mich dabei nicht halb so stark, wie Superman.
    Danke, dass ich mich in deinem herrlichen Einblick wiederfinden konnte und mich gerade nicht mehr ganz so allein mit meinem missglückten Pferdekuchen für die morgige Party fühle.
    Drücke dich unbekannterweise, denn Umarmungen sind Balsam für die Seele.
    P.s.: Eine sehr weiße Nagelfrau, das werde ich mir mal als Mantra merken.

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