.. was schenkt man eigentlich

… wenn Kinder schon alles haben?

Wenn es nichts Materielles mehr zu erfüllen gibt? Wenn auf die Frage „was wünschst du dir?“ nur ein „ich hab doch alles!“ kommt.

Dann schenkt man Liebe – davon kann man nämlich nie genug haben.

Folgendes Szenario:

Heute, gestern oder letzte Woche im Spielwarenfachgeschäft. „Was schenken wir den Kindern denn nun? Sie haben Lego, Playmobil, Puppen, Stifte, Malbücher, Hörbücher, Bücher, Kleinspielzeuge, Schwimmreifen, ein Puky, ein Laufrad, zwei Fahrräder, ein Bobby Car und ein Rutschtier. Sie haben Bastelsachen, Fingerfarbe, Anziehsachen und Kuscheltiere. Sie haben einfach ALLES“.

Meine große Tochter besitzt zum Beispiel sechs Kalender. Ja, sechs! Und es war nicht meine Schuld. Wirklich nicht. In liebevoller Handarbeit habe ich nächtelang gebastelt, eingepackt,verklebt und dekoriert. Dann kam Opa – und er kam mit einem ganzen Adventsdorf. Dann die beste Freundin: Ein Gepa Schokoladenkalender. Die beste Freundin vom Kind: Ein Stickerkalender. Die Patin der Kleinen: ein Disneykalender. Und schließlich die Oma. Ein Adventshaus.

Mein erster Impuls war: WEG mit allen Kalendern, bis auf zwei. Einmal Schokolade und einmal der von uns. Natürlich war das so nicht möglich. A) sie bekam sie alle liebevoll selbst überreicht b) ich brachte es einfach nicht übers Herz, ihr ihre Kalender „wegzunehmen“ und c) siehe b. Und a.

Das Resultat: „Oh man, Mama. So viele Kalender – und TROTZDEM war heute nichts zum Spielen drinnen! Echt doof“. Die Sticker lagen unbeachtet in der Ecke. Die Schokolade führte bereits am Morgen zu gefährlicher Überzuckerung (sie ist da sehr kreativ, so leise war sie Morgens noch  NIE! Sie weiß nämlich sehr genau, dass ich die Schokoladenmenge limitieren würde). Und ich kann es ihr noch nicht mal übel nehmen. Dieses Gefühl der Übersättigung, dass sie zwar noch nicht verbalisieren, sehr wohl aber fühlen kann, ist nicht ihre Schuld. Es ist unsere Schuld, meine Schuld . Weil ich es zuließ, die Tage bis Weihnachten im Konsumhimmel zu verbringen – und danach wird es nicht besser werden.

Dieser blinde Konsum, dieses permanente „haben wollen“,  diese Übersättigung, der Verlust der Freude an kleinen Dingen – das alles macht mich so traurig. Und nun stecke ich selbst mittendrin, völlig unvorbereitet und überfordert. Weil ich eigentlich die Art von Muddi bin, die immer sagt: „NEIN, du brauchst keine 35 verschiedenen Kuscheltiere, sie liegen doch ohnehin nur in der Ecke“ und „NEIN, du bekommst kein neues Fahrrad, nur weil dein neues einen Kratzer hat“.

Konsumkritik in einer modernen Familie, ich frage mich wirklich: Wie geht das? 

Wie kann ich  meinen Töchtern einen verantwortungsvollen Umgang mit Dingen beibringen, ohne ihnen das Gefühl zu geben, „nichts“ zu besitzen? Stets unerfüllte Wünsche zu haben? Das Gefühl zu hinterlassen, ihre Bedürfnisse nicht ernst genug zu nehmen?  Wo ist hier der Mittelweg – und wo fängt der Konsumwahn an? 

Ich finde, es ist ein großes Privileg und Glück, heute und hier leben zu dürfen. Aber ich finde auch, dass gerade deshalb von uns gefordert ist, vorherrschende gesellschaftliche (materielle) Standards kritisch zu hinterfragen. Weil man in einer Welt, in der man (fast) alles haben kann, immer auch die Wahl hat. Und weil es manchmal gar nicht gut ist, alles zu besitzen.

Ich habe damit angefangen: Kind A bekommt zu  Weihnachten: Ein Puzzle und die Monopoly Family Edition. Kind E bekommt einen Stapelturm aus Holz und ein Farbensortierspiel. Fertig.

Und ich habe gelernt: Vor dem großen Schenken wurden alle  Familienmitglieder darum gebeten, ihre Geschenke nicht nach Anzahl und Preisklasse,  sondern nach „Wert-mit-Herz“ zu beurteilen. Dieses Mal ganz minimalistisch, ganz low.

Aber ich habe trotzdem noch einige wichtige Geschenke für meine Töchter, die mehr wert sind als alle materiellen Güter zusammen: Ich schenke ihnen Zeit. Viel Zeit. Und Liebe in Form eines Briefes. Von dem ersparten Geld, das wir dieses Jahr nicht in Weihnachtsgeschenke investierten, möchten wir Kurzurlaube machen. Das Meer sehen, Waldluft schnuppern, Berge besteigen und Flüsse erkunden. Ist es denn nicht genau das, was zählt, was bleibt?

Augenblicke. Erinnerungen. Erlebnisse und Gefühle.

Ich jedenfalls, ich erinnere mich nicht mehr an die Weihnachtsgeschenke meines fünften Lebensjahres. Sehr wohl aber erinnere ich mich an das Schlittenfahren im Schwarzwaldurlaub. Und das kleine braune Klappsofa. Und das Klingeln der Glöckchen als es hieß: „Schnell! Das Christkind war da, guck doch nur! „. Das war ein Glück, das war ein Segen.

Weil das wirklich Wesentliche an Weihnachten doch die Liebe ist. Die Geburt Jesu. Die Familienzeit und die langen Gespräche. Die lachenden Kindergesichter, die strahlenden Kinderaugen und das gute Essen im Kreise seiner Liebsten. Und nicht 3 Stunden Geschenke auspacken.

Oder?

In diesem Sinne

 

frauheute

Aus Liebe zum Leben.

 

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3 Gedanken zu “.. was schenkt man eigentlich

  1. Liebste frauheute ,
    Ich brauche ein Taschentuch abo , und noch drei Körner Kissen mehr weil ich vor Gänsehaut bei deinen Texten nicht mehr liegen kann. Ich bin sprachlos und werde es gleich nochmal lesen. Und ich wünschte die ganze Welt würde es lesen. Du bist so wunderbar ich kann’s nicht oft genug sagen. Denn genau dass ist es, Ausflüge mit liebe , mit den leckersten Salami Broten mit gesammelten Blättern ja daran erinnert man sich Jahre später noch dran . An die kalten schönen Schlitten Fahrten und dann mit warmen Kakao und Rolf zukowski Musik in die Badewanne . Das bleibt im Herzen , aber nicht das barbie Haus oder sonstiges. Ich bin so beeindruckt von dir. Ich wünsche dir so sehr dass du dich selbst auch so zu schätzen weist und lieben lernst wie wir es tun. Zu sagen ja so wie ich es mache mache ich es richtig . Ohne Zweifel ohne Perfektionismus. Ich kann nur sagen wenn ich Mama eines Tages werde möchte ich so sein wie du und werde mir immer wieder deine Beiträge durch lesen. Du schenkst so viel liebe du bist wundervoll . In liebe deine Meike

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  2. Danke für deine Text! Hab mir extra das lesen bei dir aufgehoben bis ich zuhause war und aufgeräumt habe…. Ich bin auch auf de suche nach dem richtigen Maß. Und überlege, denke, gebe nach, bereue, mache es anders, und lerne wieder dazu. Neulich waren wir bei Müller in der spielzeugabteilung und ich war total geflasht und überfordert, bin ohne irgendwas zu kaufen raus, das war mir echt Zuviel. Kinder sollen Kinder den dürfen- und Wunschzettel schreiben bzw kleben ist schon so schön und hat was magisches. 🙂 nächste Woche geh ich einkaufen – und darauf freue ich mich! Aber weniger ist mehr- und Ausflüge mit den Kids zu machen ist das bestinvestiertes Geld. Vielen Dank für deinen Blog- ich lese alles und gerne! LG – _muellerin_ 🙂

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