Liebes Christkind…

dieses Jahr wünsche ich mir nur sehr wenige Dinge von dir, dafür aber ganz Wichtige.

Ich wünsche mir, Menschen so sehen zu können, wie sie wirklich sind. Und dabei soll es nicht wichtig sein, was sie tragen, woher sie kommen, was sie sagen oder wollen. Ob sie arm oder reich sind, unter der Brücke oder in der 12-Zimmer-Loft leben. Ob sie zum Frühstück Ravioli oder Chia-Samen essen.Ich will nicht mehr urteilen über  Menschen, die es anders machen als ich. Möchte mich nicht mehr heimlich, im Geiste, besser fühlen als andere, nur weil ich weiß, dass Milchschnitte gar keine Milch enthält oder warum  man Nestlé besser nicht kauft. Ich will andere Menschen nicht länger verurteilen, nur weil sie meine Auffassung einer liebevollen und angemessenen Erziehung nicht teilen. Ich will nicht länger urteilen über Mütter, die auf dem Spielplatz rauchen und ihre Kinder anmuffeln. Weil ich nicht weiß, wie ihr Tag war. Und ich weiß nicht, was ihr Leben ihnen bisher geschenkt hat. Oder ob sie in ihrem Leben bisher überhaupt etwas geschenkt bekommen haben.

Ich will nicht länger urteilen über die, deren Neid und Missgunst sie selbst zu ungnädigen Menschen werden lässt. Nicht länger urteilen über die, die an niemandem ein gutes Haar lassen können. Die über jeden etwas zu erzählen haben – und dabei sicherlich nichts Nettes. Weil es oft die eigene Unzufriedeneheit ist, die sich in all diesen Taten und Worten widerspiegelt. Weil es oft auch die eigene Unsicherheit ist, die sie so agieren lässt.

Liebes Christkind,

ich wünsche mir mehr Vertrauen – vor allem in mich selbst. Mehr Rücksicht, mehr „sich selbst verzeihen“. Ich wünsche mir, nicht so selbstkritisch zu sein. Weil ich doch selbst noch so viel lernen muss. Weil ich doch selbst in dieser Welt bin, von der ich eigentlich noch gar nicht viel weiß. Ich will nicht so hart mit mir selbst ins Gericht gehen. Das machen die anderen schon oft genug. Und vor allem  will ich nicht so perfektionistisch sein. Weil Perfektion immer auch Illusion ist. Weil ich niemals das werden kann, was ich nicht sowieso schon bin.

Und ich will aufhören über mich selbst zu urteilen. Weil ich ein Geschenk bin. Weil ich das Glück habe, dieses Leben leben zu dürfen. In dem sicherlich nicht alles perfekt ist- aber objektiv gesehen – ist es  wohl ziemlich nah dran. Denn ich habe mehr, als 95% derer, die auch auf dieser Welt leben. Und genau denen, liebes Christkind,  wünsche ich ein bisschen mehr Glück. Ein bisschen mehr Liebe. Ein bisschen mehr Toleranz und Offenheit. Ein bisschen weniger Hass. Ein bisschen weniger Neid. Weil ich glaube, dass doch für alle genug da ist. Ist dem nicht so?

Und ganz besonders wünsche ich mir ein bisschen mehr Liebe in den Herzen der Menschen. Weniger Neid, mehr Freude. Mehr echte Anteilnahme. Weil Neid so furchtbar  hässlich ist. Weil ich zwar kein MacBook habe, aber deshalb noch lange nicht arm bin! Und überhaupt: ich will aufhören, immer alles zu wollen! Weil ich mein Glück nicht an materiellen Dingen ausmachen kann. Weil Besitz nie das sein kann, was erstrebenswert ist. Weil mir alles genommen werden kann – aber meine Seele, mein Wesen, meine Liebe: Das bleibt!

Dagegen wünsche ich mir mehr echte Beziehungen. Mehr Begegnungen. Begegnungen mit Menschen, die mein Herz erwärmen, die mir schöne Stunden schenken und positive Energien.

Liebes Christkind,

ich wünsche mir, schon heute zu wissen, dass morgen alles gut sein wird. Dass ich morgen auch noch lachen werde. Dass ich morgen auch noch mit meinen Kindern in den Park gehen werde. Dass sie auch morgen noch die Enten füttern werden. Dass es zum Abendbrot auch morgen noch genug zu Essen geben wird. Ich wünsche mir, dass meine Kinder auch morgen noch eine Zukunft haben werden. Dass auch meine Kinder in einer Zeit aufwachsen werden, in der Frieden und Zuversicht die Zeichen der Zeit sein werden. In der sie angstlos die Welt – ihre Welt- entdecken können. Ihren eigenen Kindern zeigen können, wie schön Butterblumen sind. Wie gut frisch gebackenes Brot riecht. Wie bunt Seifenblasen sein können. Dass sie in einer Welt leben werden, in der sie sich zu Hause fühlen. In der sie lieben.

Ja, Eigentlich wünsche ich mir nur, dass auch meine Kinder glücklich sein dürfen.

Und dafür brauche ich ein bisschen mehr Zeit. Weil ich dabei sein will, wenn sie die Welt entdecken. Weil ich sehen möchte, wie sie ihre ersten Schritte gehen. Ganz allein, in die weite Welt. Deshalb wünsche ich mir zu erkennen, was das wirklich Wesentliche in diesem Leben ist. Und alles, was nicht dazu gehört, das würde ich gerne ablegen. Dann hätte ich ein bisschen mehr Zeit.

Denn wenn ich im letzten Jahr etwas begriffen habe, dann war es das: Die Zeit rast. Ich kann sie nicht aufhalten, aber ich kann das, was bleibt, nutzen. Wirklich nutzen. Mit meinem ganzen Herzen, mit all meiner Liebe.

Vielleicht, liebes Christkind, war das jetzt doch ein bisschen viel.

ABER, wer nicht träumt, hat auch nicht mehr zu verlieren als einer, der es nicht tut, oder?

In diesem Sinne,

 

Habt einen schönen Abend, meine Lieben.

 

frauheute

 

Aus Liebe zum Leben.

 

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7 Gedanken zu “Liebes Christkind…

  1. Einfach nur wundervoll echt und mit so viel Herz . für mehr liebe für alle , wenn nur jeder ein Bisschen über das nachdenkt womit du dich beschäftigst wäre die Welt ein kleines bisschen besser .. Auf das Leben wovon wir nur eins haben !💕

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  2. Das ist es, um was es an Weihnachten geht in dieser so materiellen, grauen und manchmal angsteinflössenden Welt: sich seine kleine Welt mit den wichtigsten Menschen so friedvoll und liebevoll wie möglich zu machen.
    Danke für diese so klugen Worte! Du hast einige Gedanken super ausgedrückt, die mir leider nur im Kopf herumschwirrten und nicht so klar waren.
    Danke 🙂

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  3. Ach Frau Heute,
    Was würde ich ohne dich tun? In einem Moment meines Lebens, in dem ich von Hass, Geiz, Zeitmangel und Schulden immer wieder heimgesucht werde, hoffe ich dank deiner Worte, dass alle Menschen diese Gedanken zu Herzen nehmen könnten.
    Danke für das Herz öffnen und danke zum Mut geben. Du führst wie andere Frauen hier, ein Leben, dass ich mir so stark wünsche. Doch eines Tages ist es soweit. Liebes Christkind, lass Frau Heutes Worte wahr werden und schenke mir bald eine ruhigere, angenehmere Zeit.
    In Liebe ♥

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  4. Danke liebe Frau Heute, dass du immer so ehrlich deine Gedanken teilst. Ich bin endlich mal dazu gekommen deinen Blog in Ruhe zu lesen, nachdem mein kleiner Noah in Bett liegt und ich auch. Und es war wirklich wie eine Abendlektüre im Bett, etwas das ich vor dem Einschlafen lese und eine Art Zufriedenheit in mir ausbreitet, ein gutes Einschlafgefühl eben. Ich finde es toll, dass sich dein Blog eben um das wahre Leben und echte Gefühle dreht, keine Mode oder materiellen Dinge, Lifestyle etc die man sich stumpf angucken kann und dann hip ist. Danke dafür, ich werde fleißig weiter lesen!
    -Annika

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