… warum es einfacher wäre, wenn der Tag 67 Stunden hätte

…und warum man heutzutage eher eine work-work-work-work-work-life-balance hat, anstatt die Balance.

Als Mutter und Frau ist man ja viel. Da kann man viel. Man kann zum Beispiel gleichzeitig am Telefon Arzttermine ausmachen, dem Kind das Laufen beibringen, Abendessen kochen, Kaugummi aus Haaren fischen und nebenbei Bewerbungen schreiben. Echt. Das hat man drauf.

Was man nicht mehr kann, ist entspannen. Also, ich kann das nicht. Mein Ruhepuls liegt bei 412. Vielleicht noch höher. Zwischen Kindererziehung, Hausfrauenstarallüren, Karriereattitüden und Freundinnenansprüchen finde ich mich immer wieder am Rande des Nervenzusammenbruchs. Es grenzt nahezu an Wahnsinn, was heute wie selbstverständlich von Frauen – von Müttern –  verlangt wird. Was sie von sich selbst erwarten. Dabei wird suggeriert, das alles sei „mit der linken Hand beim Tanz durch das Leben“ zu vollführen. Einfach so. Mit einem Augenzwinkern, freudestrahlend und voll leidenschaftlicher Hingab

Mit größter Freude sollen wir in Dankbarkeit annehmen, dass wir in einem Netz völliger (Über-)Beanspruchung das Glück der modernen Frau erfahren dürfen. Immerhin können wir ja nachts nochmal kurz Yoga machen – allerdings nur mit DVD – für einen face-to-face Kurs haben wir leider keine Zeit.

Deutet man dann, in gemütlicher Runde, den Wahnsinn des „modern way of life“ an, erntet man dafür nur kritische Blicke. Das alles habe man sich doch ausgesucht. Jeder andere macht das auch. Wir haben es doch so gut, Gertrud Müller hatte 5 Kinder, zwei Bauernhöfe, 17 Enkelkinder und keine Hilfe. Die konnte das auch! Und manchmal hat die Gertrud sogar noch gelacht!

Und spätestens dann kommt der Moment, in dem man sich schuldig und dankbar fühlen muss. Immerhin hat man ja nur einen Job. Oder zwei. Kinder. Den Haushalt. Freunde. Rechnungen. Idealbilder. Keine 768 Kühe und 647438 Enten. Wir haben’s doch so gut!

TU ICH ABER NICHT!

Ich fühle mich nicht schuldig nur weil ich denke, dass wir ganz schön viel stemmen müssen. Ich glaube, Gertrud Müller hatte es nicht leicht – aber wir schweben auch nicht auf einer Wolke sanft-meditativer Klänge und Zuckerwatte dahin. Auch unser Leben ist- verdammt nochmal – verdammt anstrengend! Zum einen, weil dank Medien & Co. der Anspruch, die „perfekte“  Mutter zu sein, ins schier unermessliche gestiegen ist. Weil suggeriert wird, Kind und Karriere sei immer besser unter einen Hut zu bekommen. Weil es heißt: „mit diesen flinken Haushaltshelfern wird Ihr Leben sich um das doppelte Vereinfachen“ – und dann sind die Dinger nach 5 Monaten doch nur kaputt.

Ich frage mich ob es nicht einfacher wäre, solche Gedanken offen formulieren zu können Ohne Angst vor Stigmatation. Ohne Angst vor Angriffen. Ohne Verurteilungen. Ohne missbilligende Blicke. Dafür mit mehr Liebe. Mehr Verständnis. Mehr Hilfe. Mehr Unterstützung und Anteilnahme.

Manchmal hat das Lamentieren keinen anderen Zweck als den, die Seele zu erleichtern. Und das, das habe ich  mit diesem Post getan!

Weil es keine Schande ist zu sagen, dass es eben nicht „federleicht mit Wolkenduft, Wintersonne und Herbstwind“ ist. Manchmal ist es eher wie Wunderland. Das von Alice. Die Karten-Soldaten. Im Königreich. Na, ihr wisst schon. Viel tun. Viel Pflicht. Viel „Muss“.

Aber nur weil es viel „Muss“ ist, das moderne Leben, heißt das noch nicht, dass es deswegen mit weniger Liebe geschieht. Oder mit anderer Liebe. Nein, im Gegenteil! So viel Liebe, dass ich gerne ein wenig mehr Zeit für sie hätte. Ein wenig mehr stille Stunden. Ein bisschen weniger Vergleich.  Mehr Blumenketten flechten. Weniger Perfektionismus. Mehr Adventsmärkte. Und weniger Auftraggeberdruck. Mehr Verständnis. Und weniger Konkurrenz.

Ich glaube, damit wäre vielen Frauen geholfen. Und wenn bedeutet, einfach mal zu sagen: „Ich hab keinen Bock mehr. Ich geh Plätzchen Essen!“ – dann würden sich 64489 andere Frauen ein wenig besser fühlen. Die sitzen nämlich schon- ganz heimlich – im Besenschrank und essen Plätzchen. Und fühlen sich dabei ganz schlecht.

 

In diesem Sinne,

lasst uns Plätzchen essen. Aber nicht im Schrank – sondern mit anderen Müttern. Und zwar am Tisch! Weil geteilte Last manchmal halbe Last ist.

 

frauheute

Aus Liebe zum Leben.

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