.. ist unhipp das neue hipp? Und warum ich in diesem Leben keine Trendsetterin mehr werde.

…vorneweg: ich bin unhipp. Total unhipp.

Das Ganze fing schon in der Kindheit an. Andere spielten mit Playmobil, während ich mit Duplo baute. Andere sahen Sailor Moon, während ich die Sesamstraße feierte. Andere tranken Kaffee, ich Kakao. Die rauchten Tüten, ich Basilikum. Die tanzen in Discos, ich in der Scheune vom Nachbarn Karl Heinz. Die hatten Miss Sixty, ich Fishbone. Die trugen Adidas Superstar, während ich in Bananenschuhen von Nike latschte. Die hatten Eastpak Rucksäcke, ich nur den 4You.

Das Leben war hart – aber ich hab ganz schön viel gelernt. Zum Beispiel, dass coole Klamotten nur an coolen Leuten cool sind. Dass High Heels in der Disco bei 5 Promille auch nicht cooler sind, als ich bei Karl Heinz auf dem Heuschuber. Dass ein Gang Bang mit 15 noch keine echte Frau ausmacht – und dass das Gerede über die anschließenden Filzläuse auch nicht so cool ist.

Ja, doch. Der Zug des Hipstertums zog an mir vorüber. Ich lese die Cosmopolitan erst zwei Monate nach  Erscheinungsdatum und rege mich dann zuverlässig darüber auf, dass alles so sexistisch ist. Die Models zu dünn, die Hose zu hoch (.. ehmm… Hallo, Ihre Hose frisst Sie gerade auf!) und die Augenbrauen zu perfekt. Und darüber, dass ich überhaupt nicht so toll schminken kann wie Sarah O., meine Fingernägel nie so schön sind wie bei Betty Y., meine Haare nach 5 Tagen nicht-waschen nicht aussehen wie frisch vom Frisör, sondern eher wie die von Helge Schneider. Ich weiß nicht, was #eatclean ist, ich weiß nicht ob man Katzensocken immer noch tragen kann und ob die Lesung nächste Woche total tieeeeeef (schweres Atemgeräusch) ist. Ich habe keine Ahnung davon, ob  man die Red hot chilli peppers immernoch hören kann und ob man mit Chiasamen schöne Bäume pflanzen kann. Sind ja immerhin Samen.

Eine liebe Followerin hat das übrigens wunderbar formuliert:

Der Frau Heute möchte man Applaus und Konfetti spenden für ihre unverblümten Bemerkungen aus ihrem Leben. Ein Leben, das so gar nicht hipp und durchgestylt, sondern vielmehr bunt und warm ist. Die Frau trifft immer voll die Zwölf und ist eine echte Erfrischung. Ihr Blog ist noch relativ neu, aber auf Instagram kann man ihr schon länger folgen.  Für den Hashtag #fürmehrrealitaetaufinstagram werfe ich ihr virale Luftküsse zu.

Und ja, so ist das wohl. Für manche Dinge bin ich einfach nicht cool genug. Ich kaufe meine Kerzen bei Ikea, esse Pudding mit Zucker, Fertigpizza und gekaufte Smoothies. Ich mag Raffaelo, am liebsten nach 22:00. Ich sportel Nachst, damit mich keiner watscheln sieht. Und ich lese Hermann Hesse, weil ich eine alte, verkappte Romantikerin bin.

Und immer wenn ich eine Frauenzeitschrift aufblättere, mach ich erst mal so: „WOAAAAAAR. VOLL KRASS. SO viel Haut, und Bein. Und Haar. Und diese Zähne und WOAAAAR. Heißes Teil. Schönes    Auto.

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Frauheute denkt: „WOAR! Irgendwie sieht die viel cooler aus als ich!“

Tolles Outfit. WILL ICH! BRAUCH ICH! WILL ICH FÜR MEIN GLÜCK!“

Aber dann, ganz ehrlich, dann passt es ja doch nicht zu mir. Wann immer ich mir mal ein mega stylisches Teil gekauft habe, es lag ja doch nur in der Ecke. Und das sehr zuverlässig. Hippe Schuhe? Noah…. so unbequem. Green Smoothie? WTF? Die wollen mich vergiften. Ich

schmeck das. Ich riech das sogar! Bitte, bitte NIE NIE WIEDER! Oder so XXL Kuschelpullover mit hippem Strickmuster. Nay. NAY! Bei meinen Spargelbeinen sehe ich aus, als hätte ich den ganzen Kühlschrank unter dem Pulli versteckt.

Ach, diese Frauenzeitschriften. Die zeigen mir ganz schön oft, was ich nicht bin. Und auch niemals sein werde. Vielleicht sollte ich es endlich aufgeben, die zu lesen. Bringt dann immer nur ein ganz doofes Gefühl. Ein „alle anderen sind schöner als ich (wähwähwäh) und die kennen die coolen Trends (theatralisches Schluchzen) und die sind so COOOOOOOOOL (endgültiger Heulflash).

Ne, die frauheute ist unhipp. Aber verdammt bunt, das sag ich euch! Und bunt ist eigentlich gar nicht so schlecht. Dann trag ich wenigstens meine Schuhe. Esse Snickers. Und trinke heimlich Cola. Stopfe mich vor dem Fernseher mit Chips voll und gucke dabei Sex and the City. Und ich wasche meine Haare weiterhin viel zu oft. Ich trinke Wein, esse Milchprodukte und ab und zu auch Fleisch. Ich bin ziemlich #unclean – aber mal ganz ehrlich:  unhipp kann so schön sein.

Oder?

 

 

frauheute

Aus Liebe zum Leben.

Schön, dass ihr alle hier seid. Hinterlasst doch hier oder auf Instagram einen Kommentar. Ich würde mich freuen.

 

 

 

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7 Gedanken zu “.. ist unhipp das neue hipp? Und warum ich in diesem Leben keine Trendsetterin mehr werde.

  1. du bist doch nicht unhipp. ich finde dich hipp.😊 wer definiert eigentlich dieses hippsein? bei vielen sachen die so in und hipp sind, bekomme ich n hysterischen lachanfall, wenn ich mir vorstelle, ich würde die tragen. aber warum sollte ich. ich hab meinen stil und vorlieben und finde mich wirklich hipp und wirklich realistisch, eben nicht verkleidet. (obwohl mir das manchmal auch spaß macht!) ich hab meine ideale und renne den der anderen nicht hinterher. schon ganz früh nicht mehr. (für mehr liebe für uns selbst!) coole markenklamotten mochte ich nicht. ich wollte lieber herausstechen, bunt sein, unangepasst sein und ICH sein. mir ist es wichtiger glücklich zu sein.
    hach, ich mag deine texte. voll hipp habe ich dir nun einen kommentar hinterlassen.
    alles liebe und bis bald! 🙂

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  2. Hipp wird generell überbewertet. Und als realtive Neumama verbinde ich das Wort sowieso immer mit einer gewissen Firma 😉
    Danke für diesen Text, wunderbar hast du das geschrieben! Ich wollte auch nie bei Trends mitlaufen, manche Dinge habe ich aus Prinzip nicht getan, weil es so viele andere gemacht haben (die Twilight-Serie lesen zum Beispiel). Alle feiern immer ihre Individualität und auch so eigene Persönlichkeit und dann macht doch jeder dasselbe.
    Auf die wahre Individualität! Weil man lebt und sich darum eben nicht schert 😉

    Liebste Grüße,
    Jessi

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  3. Ich stimme den anderen zu. Wie man „hip“ oder „cool“ definiert, liegt ja im Auge des Betrachters. 😉 Ich finde es beispielsweise extrem cool, nachts Süßigkeiten zu essen und nicht auf jeder Party mitzutanzen und jede Droge auszuprobieren. Dazu gehört weitaus mehr Klasse und Mut, als immer nur mit dem Strom zu schwimmen. Also Mädels, traut euch! Wir sind alle hip.

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  4. Liebe Frau Heute,
    Ich folge dir ganz still auf Instagram und lese auch sehr gern deinen Blog 🙂
    Und ich glaube du kommst irgendwie aus der gleichen Gegend wie ich 😉

    Hipp sein ist total anstrengend! – ich mach da auch nicht mit..

    Alles liebe :o)

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  5. Es ist schön zu wissen, dass da draußen tatsächlich eine abgewandelte Psychofrau von einem selbst herumläuft, die einem so sehr ähnelt, dass man lauwarmes Pipi in den Augen hat. Schön, dass du deinen Blog gestartet hast! Sende dir als „Kollegin“ der Bloggerszene ganz viel Erfolgfür das Jahr 2016! (Instagram @babyeckchen)

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