… warum das Glück zu dem kommt, der sieht.

… ich bin glücklich, weil ich glücklich sein darf. Es gibt zwar viel, das ich nicht habe. Nicht kann. Nicht mag und auch nicht besitze. Es gibt aber mindestens genauso viel Positives in meinem Leben, das mich jeden Tag aufs Neue dankbar und glückselig machen kann. Manchmal muss man nur genauer hinsehen.

Heute, auf dem Rückweg von der Kita, habe ich mich kurz selbst verloren. In Gedanken.  Und in „was-wäre-wenn-Phantasien“. In Anklagen und Lamentieren über meine eigene Person. Warum ich immer so chaotisch bin. Schnell ungeduldig werde, tausende Dinge auf einmal machen möchte. Warum ich überhaupt nicht so bin wie die Mutter aus der Rama-Werbung. Ich streiche meinen Kindern Morgens nicht freudestrahlend eine Butterstulle. Im  besten Fall starre ich apathisch vor  mich hin, während ich zwei Lunchboxen, zwei Flaschen und zwei Rucksäcke fülle. Ich bin ein Morgenmuffel. Ein schrecklicher Morgenmuffel.

Als ich so dahinschlurfte, schien mir die Sonne ins Gesicht – sie unterbrach mich inmitten meiner Selbstanklage! Einfach so! Ich war gezwungen kurz anzuhalten, mich umzusehen und zu fühlen. Die Sonne schien. Der Schnee nieselte leise. Der Wind blies sanft. Theoretisch wären es die besten Bedingungen gewesen, um glücklich zu sein.

Und ich muffelte so vor mich hin. Kasteite mich selbst, weil ich viel zu wenig „Ideal“ und viel zu sehr „ich“ war. Vergaß dabei fast, dass es kein „Ideal“ gibt. Vergaß beinahe, dass das eigentlich Wesentliche schon längst da war. ICH war da. Und für kurze Zeit vergaß ich meinen Gram.

Ich glaube, eines der ursprünglichsten und schwerwiegendsten Probleme des Unglücklichseins ist der Vergleich.  Vielleicht, weil man sich selten abwärtsgerichtet vergleicht – es soll schöner, toller und vor allem besser sein. Es muss etwas besonderes sein. Individuell und trotzdem gleich. Dabei sieht man nicht, was man bereits hat. Vielmehr wird einem bewusst, was man nicht hat. Man sieht, wer man sein möchte. Man sieht nicht, wer man bereits ist.

Und man vergisst, dass jeder Selbstzweifel und jede harte Selbstanklage am Ende nicht zum Glück führen. Sie sind nicht zielführend, sie bringen keine Liebe. Das einzige was bleibt, ist das schlechte Gefühl des Unvollkommenen.

Ich weiß nicht, ob es das Vollkommene überhaupt gibt. Aber ich weiß, dass in meinem Leben schlechte Gedanken und schlechte Gefühle ihren Anfang häufig im Vergleich hatten. Ein Vergleich, der bereits im Aufblühen unfair ist. Weil meine Lebensgeschichte keiner anderen gleicht. Weil mein Jetzt keinem anderen gleicht. Weil ich unvergleichbar bin. Weil es ein Kampf gegen Windmühlen ist – man kann ihn nur verlieren.

Vielleicht liegt der Schlüssel wahrer Selbstliebe darin zu erkennen, dass es immer Menschen geben wird, die schöner, reicher und beliebter sein werden als man selbst. Und dass der Vergleich einen nur unglücklich machen kann. Weil man dabei viel zu sehr vergisst, was man eigentlich schon alles hat. Was man eigentlich schon alles kann. Ich zum Beispiel bin sehr kreativ. Und ich kann gut zuhören. Das ist vielleicht nicht alles, das ist noch nicht mal viel: aber es ist  genug, um glücklich zu sein. Weil das Glück schon längst in mir liegt – weil ich es nur sehen muss.

Und wenn ich schon bald wieder blind durch den Neuschnee gehe, werde ich nach oben sehen. Ich werde die Sonne sehen, den Himmel und die Wolken. Ich werde dankbar sein für das, was ist. Für das, was ich habe. Weil es mein Leben ist. Und ich nicht weiß, wie lange es ich es wirklich leben darf.

In diesem Sinne,

frauheute

Aus Liebe zum Leben.

 

 

 

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