Muddis sind vieles – nur nicht langweilig.

Muddis,

niemals nie habe ich mich mehr verglichen wie seit dem Zeitpunkt an dem ich  begann, Social Media zu nutzen. Instagram – Social Media im Allgemeinen – ist ein bisschen wie Paralleluniversum Nr. 57. Ein selbstausgesuchtes, klar. Man sucht sich Menschen und Beiträge – blockiert, reagiert und kommentiert. Binnen weniger Monate hatte ich ein enges Netzwerk zahlreicher Muddis, die sich unterstützten, begleiteten und – verglichen. Und beim Vergleich, liebe Leser, war ich ganz vorne dabei.

Die Liste etwaiger potentieller Vergleichsmöglichkeiten scheint schier unendlich…

  1.  Schwangerschaft: Salami oder nicht? Rohmilchkäse oder lieber Camembert ohne Haut?
  2. Kaiserschnitt oder natürlich? Und falls letzteres, Hausgeburt, Geburtshaus oder Krankenhaus?
  3. Ambulant oder stationär?
  4. Stillen oder nicht Stillen (ACHTUNG! Kontroverse Diskussionen über das Für und Wider des Stillens bereits vorprogrammiert!).
  5. Abstillen mit 6 Monaten? WAS? – oder: du stillst noch mit zwei Jahren? WAS?
  6. und dann, dann wirds heikel: Rauchen? Alkohol? Ausgehen? Sex? Ab wann bin „ich“ wieder „ich“ – und bin ich das  überhaupt jemals wieder? Will ich das überhaupt wieder sein? Und HILFE! Wer bin ich überhaupt?
  7. und falls das nicht genügt, hätte man noch zahlreiche weitere Vergleichsvorlagen wie  Kinderfreizeitaktivitäten, Gruppenkurse, Kinderzimmereinrichtungen oder Ernährungstipps (WIE, du kochst nicht SELBST? oder: WIE, du kochst selbst? Kein BLW? Anm. d. Red.: BLW = Baby led weaning. = Anm. v. Fr. Heute: simples selber Essen lassen)
  8. sehr begehrt auch (und jetzt schön ruhig atmen!)  Impfen oder nicht Impfen? #alleso #raaaaaabenmutter!
  9. und in meinem speziellen Falle: wie, du bist noch keine 30 aber hast schon  zwei Kinder? Studium? Und von was lebst du so? – gerne würde ich antworten: Ich geh von 10 bis 15 Uhr betteln, ab 15 Uhr sammle ich Flaschen und um 19 Uhr gehe ich Containern. Logisch, oder?

Nein, jetzt aber mal Spaß beiseite. Ich wage zu behaupten, dass nirgendwo sonst der Druck des Vergleichs so stark ist wie in der Gruppe der Mütter. In einer Gruppe, die Toleranz, Respekt und Unterstützung so dringend nötig hätte. Weil der Alltag oft schon stressig genug ist, die eigene Unsicherheit viele kostbare Stunden Schlaf kostet und der stärkste Richter über das eigene Leben und Verhalten immer noch man selbst ist.

In eben dieser Unsicherheit findet der Vergleich wunderbar fruchtbaren Boden. Denn zur Unsicherheit kommt nun auch noch das Gefühl des „ich mache es einfach falsch!“ hinzu. Und ich spreche hier nicht von XY – sondern auch von mir.

Gekonnt filtert man vermeintlich wenig „ansprechende“ Facetten seines Mutter/Frau/Freundinnen-Daseins einfach heraus – und was bleibt ist das Bild der „perfekten“ Mutter.

Nein, liebe Leser. Ich bin nicht perfekt. Ich filtere nur. So wie jeder andere eben auch. Das unten stehende Bild wollte ich euch schon vor langer Zeit zeigen – aber – OH NEIN – ich habe ein Glas Wein in meiner Hand –  Nachts um halb drei. Und ich liege nicht in meinem Bett (da wo ich vernünftigerweise liegen sollte). Irgendwie fühlte es sich nicht richtig an, dieses Bild auf meinem Account zu zeigen. Lange Zeit fragte ich mich „wieso?“ – bis mir klar wurde: Es ist die Kombination aus Ausgehen, Alkohol, Nacht – und Muttersein, die einfach nicht so recht passen wollte. Aber ich bin eben nicht immer vernünftig. Ich bin auch nicht immer klug. Und auch nicht immer vorbildlich. Weil ich nämlich vordergründig  –M-E-N-S-C-H bin (gerade wollte ich schreiben: „… und die haben eben Fehler“. Aber nein, das ist kein Fehler! Frau-Sein, „Ich-Zeit“, Qualitytime – all das gehört genauso dazu wie mein 24/7 Hausfrauen-Dasein).

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Muddi, neulich nachts um halb drei

Und weder das Eine noch das Andere ist besser oder schlechter – nur anders. Genauso unterschiedlich wie Menschen nunmal sind. Man kann ja auch nicht einfach den Apfel mit der Birne vergleichen – schmeckt beides gut. Nur anders. Manche mögen Birnen lieber, manche Äpfel. Und ich, ich mag gerne Obstsalat. Und ich bin dafür, dass wir alle akzeptieren, dass es Apfelhasser und Birnenliebhaber gibt. Und dass das eigene Unglück häufig in dem Vergleich mit anderen Obstsorten liegt. Ein Apfel wird halt keine Birne – aber dafür wunderbarer Apfelkuchen.

Und ob die Muddis jetzt stillen, nicht-stillen,Impfen, nicht-impfen, Beistellbett, Babybett oder Familienbett,  rauchen, nicht-rauchen, Stoffwickeln, Plastikbuchse, Zucker, Ahornsirup, BLW oder Gläschen – Mensch! Ist das nicht pillepallepupswurstegal? Ist denn jetzt das eine besser als das andere? Und falls jetzt einige sagen „JA!“ – wieso denn? Ist es nicht einfach nur anders? Und ist das dann für viele einfach seltsam, weil es eben unbekannt ist?

Ich für meinen Teil, ich bin jedenfalls vieles – manchmal gibts bei mir Muffins mit Zucker. Und Fernsehen für die Große. Und dann rauche ich beim Ausgehen heimlich und hätte lieber zwei statt drei Gläser Wein trinken sollen. Dann steh ich am nächsten Morgen auf und denk mir: „aaaaaaach. War das schön – aber so, so isses doch am Schönsten“.

In diesem Sinne: Muddis sind vieles. Nur nicht langweilig. Muddis sind Heldinnen. Muddis können (fast) alles. Muddis brauchen Unterstützung – und zwar von anderen Muddis. ich fordere: Mehr Toleranz unter Müttern –  weil wir es uns wert sind.

Habt einen schönen Abend.

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2 Gedanken zu “Muddis sind vieles – nur nicht langweilig.

  1. Super Beitrag!!👍
    Ich finde es auch super nervig mit dem Vergleichen bin aber selbst ganz schnell vorne dabei.
    Und dann fühle ich mich IMMER schlecht und meine alles falsch zu machen.
    Aber wie du sagst, eigentlich sollte es einem egal sein, was andere denken.
    Es ist schließlich MEIN Leben.
    Danke nochmal für den Beitrag.

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  2. Liebe Frauheute. Ich finde das super. Das Thema, deinen Blog, und dich. Und ich denke auch, dass wir uns keinesfalls schämen oder rechtfertigen müssen, dafür dass wir eben auch nur Menschen sind, die gerne mal weggehen, ihre sozialen Kontakte pflegen, etwas für sich tun und eben nicht 24/7 mit ihren Kindern zusammen sind. Oftmals tun mir solche Auszeiten so gut, weil ich mich danach wieder besser auf meine kleine Familie einlassen kann und freue mich wie blöde auf das Wiedersehen oder das nächste Kuscheln. Denn ja, manchmal muss man einfach mal ausbrechen, um zu realisieren, dass alles was man am liebsten hat, eigentlich zuhause im Bett liegt. ❤ Prost.

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